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Ein Panzer sammelt Spenden

Kreativer Umgang mit einer Kriegsruine in Suderwick

Fotografie - Ein zerstörter deutscher Panzer wird auf Grundstück mit zerstörten Häusern abgestellt 1945.
 

An der Grenze in Suderwick, in Höhe des alten Zollhauses, lag noch während Monaten nach Kriegsende ein alter, verrosteter deutscher Panzer. Dieser Panzer war in der Befreiungsnacht getroffen worden - wie auch viele Häuser am Hellweg und in Dinxperlo. Zwei Soldaten verstarben im Panzer. Nach Kriegsende blieb er auf der Straße stehen. Er lag verlassen da; kaum jemand nahm Notiz von dem, in vielen Kriegsjahren so gefürchteten Monstrum. Anfangs lag dieses abscheuliche Monster auf niederländischem Boden. Die Grenzbewohner erinnern sich noch sehr lebendig an abschreckende Bilder, die sich hier ereigneten. Später wurde der Panzer auf deutsches Gebiet geschleppt und lag dann zwischen den Ruinen der Bültenhäuser, die zum Niemandsland gehörten. Man dachte wohl, damit seien die schrecklichen Ereignisse vergessen. Darin hatte man sich geirrt.

Es waren die Grenzbewohner in unmittelbarer Nähe, die den Panzer am Nationalen Festtag der Niederländer gebrauchten; nicht mit dem Ziel seiner früheren Bestimmung, die Menschheit zu zerstören, nein, der „Deutsche Panzer“ sollte auftreten als Vermittler für niederländische, kranke und bedürftige Menschen. Die (niederländischen) Grenzbewohner hatten folgendes Gedicht auf Niederländisch am Panzer befestigt:

 Hier steh`ich nun, ich Deutscher Tank

ich zitt`re noch, wenn ich dran denk´.

Am Tag in der Karfreitagswoche

kriegt ich `nen Schlag und war verstört.

Vorbei war`s da mit meinem Ich.

Ich wahrte Anstand, dacht‘ aber ‚shit‘.

Jetzt steh` ich hier im Niemandsland

in einer Ruine, wo blieb mein Stand?

Wir sollten gewinnen, wurd‘ uns gesagt,

aber Adolf prophezeite schlecht

und niemand hier, der darum trauert.

Wohl sagt man ‚was ist hier passiert?‘

Von mir kann‘s keine Antwort geben.

Der ‚Tommy‘ trug mir auf zu schweigen.

Ach, wär‘ ich nur kein ‚mof‘ gewesen,

dann feiert‘ ich jetzt mit Holland ein Fest.

Unter dem Gedicht war eine kleine Blechdose befestigt. Der mögliche Inhalt sollte dem Roten Kreuz zugutekommen. Die gute Idee war von Erfolg gekrönt, denn an dem Abend fand sich darin ein Betrag von 113.93 Gulden, der dem „Roten Kreuz“ übergeben wurde.

So geschah das genaue Gegenteil dessen, wozu der Panzer gebaut war.

 

Erzählt von Jutta Brand, 8.2.2019

[Siehe auch den Beitrag "Die Nächte waren oft kurz. Leben in einer Suderwicker Bäckerei nach dem Zeiten Weltkrieg"]

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