„Karo, Karo…“

Schmuggelgeschichten ut dat Grenzgebiet tau Schwartenberg, Lindloh, Rütenbrocks

Solange dat Grenzen un Zölle geef, is schmuggelt woorn. Somit häff dat uck immer Mensken gaben, dei mennden mit schmuggeln Profit tau rnaoken. So wass dat tau dei Tied nao'n 2. Weltkrieg uck an dei Grenze in Schwartenberg. Rütenbrock un Lindloh so üm dei Jaohre 1947 - 1954. Dei Grenzsperren wörden uphaoben un dei Dütske Zoll aowernöhmp nao un nao weer dei Grenzkontrolle. Up dei aonnere Siete löppen dei hollandsken „Kamiesen".

Tau dei Tied kostete ein Pund Tee oder Koffie in Holland üm die 5 Mark, Hier in Dütschland möss man daorför 18 Mark up'n Ladendisk leggen. Dör schmuggeln kömen dei Schmuggler- bi düsse Priese. wenn dann alles glückte - drock tau väl Geld. Lüe, die tau düsse Tied väl Geld in clei Täske hän. dön meistens sümmes schmuggeln oder han door wat rnit tau daun. So wi nett dei Priese stünden. göng dei Schmuggelware van dei eine Siete Grenze nao dei aonnere, frei nao dat Sprichwort: ..So as dei Wind weiht. so weiht mien jassie“ (jacke). Daorüm bünt Zoll un Schmuggel urolle Feinde.

lck will hier nich aower dat allgemeine Zollwesen mit Amt, Personen. Zahlen un Statistiken schrieben. Nee. ick bün vullmehr dei kleinen Geschichten, Döntkes und Vertellsels naohgaohn - dei bien „Klücksken" van Daoge noch gern vertellt werd – wo sück dei Zöllner Gedanken rnöken dat Schmuggeln tau unnerbinnen un dei Schmugglertau packen. Dei Schmuggler dorgägen - dei piffen un utgekaokt Wassen - aowerleggten, Limgenao dat ut'n Wegg tau gaohn.

Tau't Schmuggeln hörde eine groote Abenteuerlust un wör mit ein grootet Risiko verbunnen. Wörde ein Schmuggler „packt“, un man könn üm naowiesen dat hei schmuggelt hä, dann möss hei mit hoge Strafen räken. Manch eine is daordör aower Nacht arm waorn, Hab un Gut, Hus un Hoff wörn dann drock verlorn. Dat Sprichwort „Wie gewonnen. so zerronnen“ fünd hier siene Waohrheit. Schlaoplose Nächte un Gerichtsverhandlungen Wassen dat Ende van't Leid. Denn Volksmund segg daortau: Schmuggel is frey, kriegen darbey!

Zeitzeugen - at giff sei noch - dei dat Schmuggeln noch süms beläwt un mitmaokt häbbt, können un wollen mi wall gerne wat vertellen. Sei häbbt mi versichert, dat sei mi dei Waohrheit un nix als dei Waohrheit vertellt häbbt. Vertellt würde mi uck, wenn dat Schrnuggeln besünners gaud utgaohn was, dann wörde fiert, un dat nich so minn. Dann kömp denn „sümmsgebrännten Fusel" up'n Disk, denn Trecksack wörde haolt un dat göng an't singen.

Dann wörden dei sümsgedichteten Leier(Lieder) van Schmuggler un Zöllner nao bekannte Schlagermelodien sungen un somit up dei „Schüppe naohmen". Nao dei Melodie: Von den blauen Bergen kommen wir - hörde sück dat dann so an:

Van denn Schwattenbärge kaomet wi. van dei Bärge garnich wiet van hier. Schmuggeln dat is use Wonne. brännt uck noch so heit dei Sünne. van denn Schwattenbärge kaomet wi. Schmuggeln dau wi Kofiiebohnen, Tee. Schmuggeln dau wi Koffiebohnen, Tee. Schmuggeln dreimaol Koffiebohnen. schmuggeln dreimaol Koffiebohnen. schmuggeln dreimaol Koffiebohnen. Tee.

Un weil sück dat alles heller moi un amüsant anhört. will ick hier ein paar Geschichten ut dei Schmugglertied taun Besten gaben:

 

Dei Schmuggler mössen öwerall un tau jede Tied mit Kontrollen räken. Wassen sei gaud aower dei Grenze kaomen, möss dei Ware an'n Mann (Kunde) broch weern.

Dei Zöllner stönden an Straoten, Brüggen un Feldwäge up Kontrollposten. Wör eine „Aktion“ plant un at passeierde wat waor nich mit räkt worn is, dann göng dat Wort „Karo…Karo…“ van Hus tau Hus. Dei Zöllner frögen sück, worüm raupt dei aole Karo, hier lopp doch gar kein Hund...

För dei Schmuggler hätte dat: Aktion offbräken. Gefaohr in Anzug, Zöllner in Sicht. Eine tweide Aort up Gefaohr hentauwiesen göng so: Gefaohr: ln aole Hüse wörden die Lampen anmaokt!! Lampen weer ut: Gefaohr vörbie!!

 

Zöllner hän einen Buur up'n Kieker, van dei sei wüssen, dat hei schmuggelde. Sei verkröpen sück in siene Schüre, deckten sück mit Stroh tau un lechten sück up de Luur. Man denn Buur häff denn Braon raoken un is door achter kaomen. Hei röpp so lut as hei könn: „Häm. Jan. Hinnerk! Haolt drock dei Forken, und schmiet't dei Keihe Stroh vor." Do bünt die Zöllner wall heller drock taun Vörschien kaomen.

 

So was dat uck als ein Zöllner up Tied up'n Boom kraopen is. Van hier könn hei dei ganze Grenze aowerkieken un so dei Schmuggler bäter upluurn. Hei hä dei Rechnung ohne denn Wirt maokt. Denn Zöllner möss lange waochten, bis sück wat dö.

Van wieden söch hei drei Kerls ankaomen mit ne Sage un Biele up'n Nacken.

Unnern Boom blewen sei staohn un aowerleggten weckern Boom sei dann nu daole kriegen wollen. Als sei dei Sage ansettden, is denn Zöllner heller drock van baowen nao unnen kaomen. Dei drei Kerls göngen vergneugt na Hus un at wörde maol weer ein .,Leidken" sungen nao dei Melodie : Lustig ist das Zigeunerleben... Lustig is dat Zöllnerläben. varia. varia ho. Lustig is dat ln't Grenzgebiet. wor denn Zöllner tau Huse ist. Varia, Varia, Varia, Varia. Varia. Varia. ho. Zöllner wuss du Schmuggler packen. Varia. Varia. ho moss du nich van dei Böme gaffen, Varia. Varia ho. moss du loopen dei Grenze lang, wor denn Schmuggler sien Öwergang. Varia. Varia, Varia Varia, Varia, Varia, ho.

 

Eines Daoges föhrt ein Krankenwagen mit Karacho. Sirene un Blaulicht up dei Grenze tau. Up dei Bahre leeg ein van baoben bis unnen ingegipsten un ingewickelten Mann. Dei Zoll winkte dör. At sög ja ut wie ein Notfall. Waohr was. dat 5 Sack Tee unner denn „Kranken" verstoppt wassen. Dei Ladung söll up'n dröcksten Wegg nao Kunden in Papenburg. Eine gaude Bekannte van denn Krankenwagenföhrer, dei in Lingen waohnde, woll unbedingt einen halben Sack Tee ham. Somit göngen 4 1/2 Sack nao Papenburg un 1/2 Sack nao Lingen. An denn vereinbarten Treffpunkt in Lingen, segg dei Frau: „Hier is mi dat tau unheimlich. Ick weit eine bätere Stäe. Föhrt mi man nao!“

Dei Frau stürde ehr direkt nao't Gefängnis. woor dei Zoll all up ehr waochtete.

Hier was Verraot in't Späl. Ende van't Leid: Festnahme - Gerichtsverhandlung - Verurteilung - Gefängnis!!

Melodie : Capri Fischer: Wenn bi Schwartenberg dei rote Sünne achtern Bärg versinkt, un an'n Himmel dei blanke Sichel des Mondes blinkt, treckt denn Schmuggler mit siene Ware nao' de Grenze tau. Hei kennt weder Rast noch Ruh, un häfft achtern Busk dann richtig kracht. Zöllner schütt. Schmuggler lacht!

Grenze. Grenze, Grenze ade, kaom ick taurügg, is full mien Portmanee. Grenze. Grenze. Grenze ade, aufwiedersehn.

 

ln'n Winter, wenn Schneei leeg, höngen sück dei Schmuggler Witte Laoken üm.

Üm dei Spörs tau verwisken, wörden aole Kinder dei an dei Grenze waohnden tau eine Schneeiballschlacht tausammen ropp. Daornao was nix mehr tau seihn.

Wenn denn Koffie bit't Schmuggeln mit Sand off Dreck verschmeeit was, wörde hei aowern Weiher schickt un weer schier maokt.

 

Dei Schmuggler hän vör. eine groote Menge Roggen ut Holland tau schmuggeln. Denn Roggen stönd all up dei aonnere Siete van dei Grenze parat, Dei Kommiesen un Zöllner häbbt dat spitz krägen. Sei häbbt aole Roggensäcke mit Draoht markiert. So bünt dann dei Säcke aower dei Grenze schmuggelt woorn. Bis nu wassen dei Schmuggler sück noch sicher, dat alles glätt löpp. Doch dann kömp van dat „Wichtken van'n Zoll" (Zollsekretärin) denn Raot maol in dei Säcke tau kieken.

Sofort wörde denn Draoht ut die Säcke naohmen. Denn Roggen dann - wi vörseihn - up'n Wegg nao Möppen broch. Up Schlüse 68 hädde dat dann: „Zollkontrolle!! Aole Säcke utkippen!!" Wat was door tau daun? At was van dei Zöllner kien Draoht mehr tau finnen.

Dei langen Gesichter van dei Zöllner kann sück jeder vörstellen. Aower düssen Fall häff dat eine Gerichtsverhandlung gäben.

Denn daormaoligen Richter möss dei Schmuggler - dei ja nix naotauwiesen was - frei spräken. Grund: Kiene Bewiese!!

Melodie: die Fahne hoch! Dei Fahne hoch. dei Grenze fast verschlaoten. Denn Zoll marschiert, mit ruhigen, fasten Schritt. At schmuggeit immer weer deiseiben Volksgenossen, dei aonnern schmuggelt bloss in'n Geiste mit. At schmuggelt immer weer ...

 

Siet Kriegesschiuß ist Sperrgebiet vorhanden.

Ein rotet Licht: Stopp, Wies dien Utwies vör!! So dües du dann dat Sperrgebiet dörlopen, hass du üm nich, dann moss du stiften gaohn!

So dües du dann ...

Natürlich geef dat uck mit (einzelne) Zöllner „gewisse Verbindungen". dei aber trotzdem mit aller Vörsicht tau genießen wassen. Sicherer wassen dei Tips van dat „Wichtken“, (Zollsekretärin) dei denn Dienstplan genau kennde. Hier wüss man ziemlich sicher, well un waor an dei Grenze löpp.

 

Ein an dei Grenze bekannten Mürker ut Schwattenbärg föhrt mit dei Fietse nao dei Arbeit. Achter up dei Schnappe half hei sein Büdel mit Niürkergeschirr. Up Schiüse 68 hett dat: „Halt Stopp! Offstiegen! Zollkontrolle! Alles utpacken!“

Denn Mürker segg: „Dat dau ick aober nich!“ Hei wüss ja, dat bi üm nix tau finnen was.

Denn Zöllner: „Dann mit naoht Zollamt!“ Wenn't dann wän mott, segg denn Mürker“, stigg up siene Fietse und föhrt nao't Zollamt, Denn Zöllner möss man – wenn hei mitwoilde - in'n Hündkesdraff kägen üm herloopen, Up't Zollamt wörde sein Mürkerbüdei utkippt. Natürlich was door kiene Schrnuggelware tau finnen.

Un wat segg dei Mürker? „Well betaolt mi nu mien'n Arbeitsutfall??

Schwartenberger Lied : Schwattenbärg, Schwattenbärg aower alles, aower alles in dei Welt. Van dei Grenz bis tau'de Straote. van Rotieben bis tau'n Bärg! Schwattenbärg, Schwattenbärg aower alles, aower alles in dei Weit!

 

Sowiet düsse kleinen Geschichten aower Zöllner un Schmuggier. waorbie dei Schmuggier düttmaol ne Idee bäter als dei Zöllner wegkaomen bünt. Dat ligg sicher daoran, dat düsse Geschichten ut Schmugglersicht vertellt woorn bünt.

At wott väl vertellt. Hier uck. Sicher is hier un door ein bittken biemaokt woorn. So lätt't sückt uck bäter verteilen un hört sück moier an. Ick denke, ein bittken Waohrheit is de ganz sicher uck mit bi wän .

 

Text: Bernd Büter, Haren-Erika; Liedertexte (Deutsche Fassung ) Gerhard Müller, Rütenbrock; Fotos: Bildarchiv Emslandmuseum Lingen

Quelle: www.use-magazin.de


Personen

n/a

Ort

Schwartenberg, Lindloh, Rütenbrock - Emsland

Datum/Zeitraum
0.0.1900 – 0.0.1950