Torfabbau und Rinderzucht

Leben in Georgsdorf an der Grenze

Hermines Mutter (*1915) musste mit 9 Jahren bereits auf einem Bauernhof im Grenzgebiet die Rinder hüten. Die Wiesen grenzten aneinander und waren nur durch das Flüsschen getrennt. Auf deutscher Seite war eine Scheune (Boh) in der die Rinder nachts schliefen. Hermines Mutter schlief dann alleine in der Scheune und versorgte die Rinder. Nachts waren die Zöllner bereits unterwegs, um den Schmuggel an der Grenze zu unterbinden. Dabei fielen auch Schüsse, um die Schmuggler zu stoppen.

1956 wurde Hermine als 14-jährige aus der Schule entlassen. Sie war die Älteste und stammte aus einer großen Familie mit vier Geschwistern. Sie wohnten in Georgsdorf, auf dem Dorf. Ein weiterer Zugang zur Schule war nicht möglich, da die Familie die Buskosten nicht finanzieren konnte. In Georgsdorf wurde Torf gestochen und zum Trocknen aufgestellt. Mit dieser Tätigkeit konnte Hermine einen kleinen Beitrag zum Lebensunterhalt der Familie leisten. Auch Niederländer waren dort tätig. Sie kamen jeden Morgen mit dem Bus. Dabei entstand eine Freundschaft mit einer niederländischen Arbeiterin, Mary, die im gleichen Alter, wie Hermine war. Beide haben sie sich oft vor der Arbeit gedrückt und in der Heide gequatscht. Mary hatte immer Weißbrot mit Hagelslag dabei. Hermine war dieses Essen unbekannt. Anderherum tauschte Hermine mit Mary ihr dunkles Brot mit Wurst oder Marmelade. Mary brachte immer mehr Brot mit, worauf die jüngeren Brüder von Hermine stets abends sehr ‚heiß’ drauf waren. Nach ihrer halbjährigen Tätigkeit verloren die beiden sich leider aus den Augen.

Hermines Mutter besorgte in den Niederlanden Bohnenkaffee. Diesen versteckte sie in ihrer Kleidung und schmuggelte eine größere Menge über die Grenze. Als sie erwischt wurde, musste sie ihre Ware wieder abgeben und 5 DM Strafe bezahlen. Für die Mutter war es eine Art Sport, immer neue Strategien zu finden, den Kaffee zu schmuggeln. Z.B. wurde in einem Paket Nudeln durch den Händler der Kaffee mit im Paket verpackt. Nachdem diese Masche aufgeflogen war, befestigte sie einen Beutel zwischen ihren Beinen, da dort nicht abgetastet wurde.

Auch Rinder wurden geschmuggelt. Zu diesem Zweck wurde ein Rind in den Bauernschaften abgemagert. Man hat dann mit diesem Rind, welches lautes Muhen von sich gegeben hat, die Grenzkontrolleure abgelenkt und im gleichen Moment hat man mehrere Rinder über die Grenze transportiert. Zwischen Adorf-Neuringe (D) und Schonebeek (NL) gab es ein Flüsschen, welches man verwendet hat, um Ware zu schmuggeln.

Erzählt von Hermine und Lothar Schinz, Nordhorn, 26.10.2018


Personen

n/a

Ort

n/a

Datum/Zeitraum
0.0.1920 – 0.0.1950